Resilienz - ein inneres Stehaufmännchen der Krisenbewältigung

In unserem Leben lernen wir oftmals Menschen kennen, die von unglaublichen Schicksalsschlägen getroffen wurden und trotzdem immer wieder ohne erhebliche (psychische) Schäden auf die Beine kommen. Diese Menschen werden von anderen oft als besonders stark und tapfer eingestuft. Es sind Menschen, die für die Art, wie sie mit den Miseren des Lebens umgehen, bewundert werden.

Personen, die sich besonders widerstandsfähig zeigen, wenn es um ihre Schicksalsschläge geht und es schaffen, sich wieder aufzurappeln und trotz des ihnen Widerfahrenen zu ihrem ursprünglichen psychischen Gesundheitszustand zurückzukehren, verfügen über eine hohe Resilienz.

Kennt ihr jemanden, der eurer Meinung nach über eine hohe Resilienz verfügt?

Was ist Resilienz? Wie wird man resilient? Kann man Resilienz trainieren? Diese und weitere Fragen werden in diesem Blogbeitrag beantwortet und genauer erforscht. Also viel Spaß beim Lesen und Kommentieren!

Was ist Resilienz?

Das Wort Resilienz leitet sich von dem lateinischen Wort „resilire“ ab, welches ins Deutsche übersetzt abprallen oder zurückspringen bedeutet. Daraus ergibt sich die Eigenschaft einiger Menschen, ihre psychische Gesundheit aufrechtzuerhalten bzw. schnell wiederherzustellen, während oder nachdem  er sich in widrigen Lebenssituation befindet oder befunden hat. (Vgl. Leipold 2015, S. 18 f.)

Somit ergibt sich Resilienz als innere Kraft, welche die psychische Gesundheit eines Menschen immer wieder in den ursprünglich (unversehrten) Zustand zurückführt. Um euch das zu verdeutlichen, stellt euch einen Schwamm vor, der jedes Mal wieder in seine ursprüngliche Form zurückspringt, egal wie sehr ihr ihn auch zusammendrückt.

Abbildung 1: https://www.obelink.de/beratung/wie-lagere-ich-eine-isomatte-richtig.html

Eine der bekanntesten Forscherinnen, wenn es um Resilienz geht, ist die Entwicklungspsychologin Emmy Werner. Sie war eine der Ersten, die durch ihre Untersuchungen bei Kindern der hawaiianischen Insel Kauai entdeckte, dass nicht alle Kinder gleich auf Schicksalsschläge und schwere Lebensbedingungen reagieren. Ergebnisse ihrer Längsschnittstudie, in der sie Kinder der Insel über mehrere Jahre hinweg beobachtete und untersuchte, zeigten, dass sich Kinder, die schweren sozialen, biologischen oder körperlichen Faktoren ausgesetzt waren, schlechter entwickelten als Kinder, die nichts dergleichen erlitten. Der ausschlaggebende Punkt zur Resilienz war damals jedoch, dass es auch Kinder gab, die sich trotz schlimmster Lebensbedingungen positiv entwickelten bzw. weder delinquent noch psychisch oder gesundheitlich beeinträchtigt waren. (Vgl. Leipold 2015, S. 17)

Anton Antonovsky, der den Begriff der Salutogenese prägte, machte ähnliche Erfahrungen, als er den Gesundheitszustand von Frauen untersuchte, welche die Zeit im Konzentrationslager überlebten. Dabei fand er heraus, dass 30 Prozent der Frauen auch nach deren traumatischen Erlebnissen in dem Lager gesund waren. (Vgl. Thun-Hohenstein et al. 2020, S. 8)

Wie wird man resilient?

Es gibt mehrere Resilienz Modelle, welche die einzelnen Faktoren der Resilienz beschreiben. Zunächst einmal ist es wichtig, zu erwähnen, dass es sich bei Resilienz nicht um eine ausschließlich angeborene Eigenschaft eines Menschen handelt. Vielmehr hat man zwar von Geburt an eine „Grundresilienz“, wie sich diese jedoch entwickelt, hängt von „negativen oder positiven (Umwelt-)Einflüssen ab.“ (Thun-Hohenstein et al. 2020, S. 13)

Des Weiteren lässt sich Resilienz in Schutz- und Risikofaktoren einteilen, welche die Resilienz entweder begünstigen oder vermindern. Die Schutzfaktoren dienen dem Aufbau der Resilienz. Sie werden in innere (Eigenschaften, die die Person mit sich bringt) und externe Faktoren (Ressourcen, die der Person aus dem Umfeld zur Verfügung stehen) eingeteilt. Zu den Ressourcen (positive Einflüsse) zählen alle äußeren Einflüsse, welche der Person aus der Kultur, der Gesellschaft, der unmittelbaren Umgebung (Nachbarschaft, Freunde, Arbeitsplatz, …), der Familie und des Individuums selbst zur Verfügung stehen. Risikofaktoren betreffen die gleichen Bereiche wie die Schutzfaktoren, jedoch bestehen diese aus negativen Belastungen und machen die Person verletzbar. Einige Beispiele für Risikofaktoren sind ein schwaches soziales Umfeld, Leben in Armut oder Kriegszeiten oder auch Konflikte und Naturkatastrophen, welche das eigene Leben bedrohen und verschlechtern. (Vgl. Thun-Hohenstein et al. 2020, S. 10f.)

Psychiater und Psychotherapeut Cristian Peter Dogs beschreibt fünf Eigenschaften, die sich resilienzfördernd auf das Individuum auswirken:

1.      Erfahrung von Selbstwirksamkeit (Selbstvertrauen in sich haben)

2.      Zuversicht (daran glauben, dass man etwas schaffen kann)

3.      Realistisches Selbstbild (sich und seine Stärken und Schwächen kennen und einschätzen können)

4.      Kohärenz (enen Sinn im Leben sehen und Ziele haben)

5.      Umgang mit Gefühlen (seine Gefühle akzeptieren und kennenlernen und ausleben und zulassen, regulieren)

(Vgl. WDR Nachrichten 2021)

Kann man Resilienz trainieren?

Tatsächlich lässt sich Resilienz in einem gewissen Maß trainieren. Es hilft, wenn man an sich arbeitet und die fünf Eigenschaften der Resilienz weiter für sich ausbaut. Durch Erlebnispädagogik, in der eine Person verschiedene Herausforderungen meistern muss bzw. im besten Fall meistert, kann sie ihre Selbstwirksamkeit trainieren. (Vgl. ebd.)

https://www.foodspring.de/magazine/bouldern

Herausforderungen spielen allgemein eine wichtige Rolle, denn Resilienz kann sich nur in einer Situation weiterentwickeln, die von der Person als belastend empfunden wird. Dabei darf die Situation nicht mit normalen Stressbewältigungsmethoden gehandelt werden.  (Vgl. Krol und Kuss 2020)

Wenn mein Blog euer Interesse zu dem Thema geweckt hat und ihr noch weiter stöbern wollt, kann ich euch folgende Quellen empfehlen. Gerne würde ich auch eure Meinung zu meinem Blog und zum Thema Resilienz hören. Ich freue mich auf eure Kommentare!

Liebe Grüße

Sarah


Weitere Infos:

Interview mit Christian Peter Dogs: https://www.planet-wissen.de/gesellschaft/psychologie/resilienz/interview-christian-peter-dogs-100.html

Artikel: https://www.planet-wissen.de/gesellschaft/psychologie/resilienz/resilienz-foerdern-100.html

Artikel: https://www.planet-wissen.de/gesellschaft/psychologie/resilienz/index.html#Was-resiliente-Menschen-ausmacht

Interview mit Christian Peter Dogs (Film): https://www.planet-wissen.de/video-resilienz--was-die-seele--stark-macht-100.html

 

Literaturverzeichnis

Krol, Beate; Kuss, Melanie (2020): Resilienz fördern. In: planet-wissen.de, 16.10.2020. Online verfügbar unter https://www.planet-wissen.de/gesellschaft/psychologie/resilienz/resilienz-foerdern-100.html, zuletzt geprüft am 09.01.2021.

Leipold, Bernhard (2015): Resilienz im Erwachsenenalter. Mit 17 Abbildungen und 7 Tabellen. Unter Mitarbeit von Werner Greve und Tim Loepthien. [1. Auflage]. München, Basel: Ernst Reinhardt Verlag (UTB, 4451).

Thun-Hohenstein, Leonhard; Lampert, Kerstin; Altendorfer-Kling, Ulrike (2020): Resilienz – Geschichte, Modelle und Anwendung. In: Z Psychodrama Soziom 19 (1), S. 7–20. DOI: 10.1007/s11620-020-00524-6.

WDR Nachrichten (2021): Resilienz – Was die Seele stark macht. Online verfügbar unter https://www.planet-wissen.de/video-resilienz--was-die-seele--stark-macht-100.html, zuletzt aktualisiert am 09.01.2021, zuletzt geprüft am 09.01.2021.

 

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